Vier Wochen Ferienspiele

Gerade hat nach zwei Monaten Ferien wieder die Schulzeit begonnen. In dieser Zeit boten wir im Projekt vier Wochen Ferienspiele unterschiedlichster Art für die Kinder von Salem und zusätzlich auch einige weitere aus dem Dorf an.

Eine Woche gab es das Angebot verschiedener Workshops: Musik, Recycling, Tuchakrobatik, Basteln, Tanzen und Theater sowie Nähen.

Ich unterstützte den Musiklehrer in seinem Workshop, worüber ich im ersten Moment ein wenig enttäuscht war, da es ursprünglich auch einen Fotografie-Workshop gegeben hätte, den ich liebend gerne begleitet hätte, aber im Endeffekt war es besser als gedacht. Ich konnte den Kindern zwar außer Singen und Notenlesen nicht viel beibringen, lernte aber selbst (meistens sogar von den Workshop-Teilnehmern ) ein paar Akkorde auf der Gitarre und musste sie motivieren, weiter fleißig zu üben und laut mitzusingen. Dies war meist lustig, da der Musiklehrer hauptsächlich Kinderlieder mit albernen Texten ausgewählt hatte. Die Erziehungsmethoden dessen, hingegen, fand ich fragwürdig, da er den Kindern einredete, sie wären vom Teufel besessen, wenn eines von ihnen nicht gehorchte. Da wusste ich nicht ob ich laut loslachen, gar nichts tun oder etwas dagegen sagen sollte. Am Ende entschied ich mich für eine Kombination aus allen dreien. Als Musiklehrer machte er aber möglich, dass jeder sein Talent, ob Singen , Gitarre, Trommel oder Xylophon einbringen konnte und schließlich hatten wir ein nettes kleines Programm zusammengestellt. Am Ende der Woche wurden nämlich alle Ergebnisse der Workshops in Form von Aufführungen und Ausstellungen vorgestellt, wobei alle Gruppen glänzten.

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Vorführung am Freitag.

Die restlichen drei Wochen bestanden aus Ausflügen innerhalb des großen Touristenangebots von Mindo. Diese Wochen waren wirklich unglaublich spaßig, fast so spaßig, dass man es nicht mehr Arbeit nennen kann: Wir begleiteten die Kinder bei Aktivitäten, für die wir normalerweise viel Geld bezahlt hätten, umsonst.

Einerseits nahmen wir an verschiedenen Tours teil:

  • Die Schokoladentour, bei der man Anbau, Ernte, Fermentierung und Verarbeitung des Kakaos zu Schokolade beobachten und selbst mitmachen durfte – mit dem Sahnehäubchen einer eigenen Schokopraline zum Mitnehmen.
  • Der Kolibrigarten, in den wir uns eine Weile setzten um zu zeichnen.

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  • Die Vogelbeobachtung, zu der die Kinder morgens um 6 aufbrachen, um mit professionellen Guides die verschiedenen Vögel des Nebeldwalds zu beobachten und zu belauschen. (Hier war ich leider nicht dabei.)
  • Das Schmetterlingshaus, wo wir die Metamorphose und die wunderschönen ausgewachsenen Falter bewunderten, welche ein willkommenes Foto-Requisit für die Kinder darstellten.
  • Der Orchideengarten, durch den wir spazierten während uns die verschiedenen Arten erklärt wurden.

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Andererseits unternahmen wir viele Abenteuerausflüge. Das ganze Angebot an Sportarten wurde ausgenutzt: Canyoning, Ziplining und Tubing waren mit Abstand die beliebtesten Beschäftigungen der Kinder. Es handelt sich um das Abseilen entlang eines Wasserfalls, das Seilbahnfahren auf langen Strecken durch den Wald und um wilde Fahrten auf Gummireifen durch den Fluss. Zwar gab es immer ein paar Kinder, die vorher Angst hatten, aber hinterher waren alle begeistert, natürlich auch wir.

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Zudem gingen wir öfters baden. Entweder nach einer langen Wanderung im tiefen Wald als Abkühlung im Wasserfall oder ganz bequem im Pool einer der Hotels von Mindo.

Ich finde es wirklich bemerkenswert, dass so viele Leute in Mindo den Kindern die Möglichkeit zu diesen tollen Erlebnissen geben, die sie aufgrund der Preise niemals mit ihrer Familie machen könnten, und ihnen so einen wirklichen Urlaub ermöglichen. Diese Kooperationsbereitschaft ist mir schon ganz oft hier in Ecuador aufgefallen: Wenn man jemanden kennt, bekommt man mit Sicherheit einen Rabatt. Die Leute sind sehr großzügig, auch wenn es ihnen finanziell gerade nicht hervorragend geht.

Zum Abschluss der Ferienspiele wurden nochmal alle Kinder und ihre Eltern eingeladen, um einen gemeinsamen Nachmittag mit Gruppenspielen, gemeinsamen Essen und einer Diashow zu verbringen.

Noch am gleichen Tag ging es für mich schon an den Flughafen, um meinen Urlaub in Kuba zu verbringen, aber davon erzähle ich im nächsten Blogeintrag…

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Die schönsten Seiten von Quito

Quito ist eine komplett gegensätzliche Stadt. Das sagt man zwar quasi bei allen Großstädten, aber ich habe es noch nie so extrem wie hier erlebt. Vor allem am Rand der Stadt gibt es unglaublich hässliche Viertel mit großer Armut. Hier finde selbst ich nichts ästhetisches, obwohl ich eigentlich sehr gut darin bin, auch die kleinen schönen Dinge wahrzunehmen und wertzuschätzen. Im Gegensatz dazu gibt es aber auch die Altstadt und das Studentenviertel La Floresta. Hier wimmelt es nur von schönen Gebäuden, Cafés und kleinen, malerischen Straßenszenen, die sich als perfektes Fotomotiv eignen. Mittlerweile habe ich Quito richtig lieb gewonnen und komme oft und gerne her, um immer mehr schöne Seiten zu entdecken.

Die historische Altstadt Quitos ist UNESCO Weltkulturerbe und das ist kein Wunder: An jeder Ecke erblickt man eine weitere prachtvolle Kirche und die restlichen Gebäude im Kolonialstil sind in bunten, harmonischen Farben gestrichen und haben durch ihren leicht abgeblätterten Putz ihren eigenen Charme.

Besonders der Plaza Grande ist ein MussDieser Platz im Zentrum der Stadt ist vom Haus des Präsidenten, einer großen Kirche und verschiedenen Läden, Restaurants und einem riesigen Luxushotel (500 $ pro Nacht) umgeben. In der Mitte befindet sich das große Unabhängigkeitsdenkmal. Man sieht Schuhputzer, Straßenmusikanten und -tänzer, Missionare, Touristen und alte zeitungslesende Quiteños (Bewohner von Quito) – es ist immer etwas los.

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Ein sonniger Tag auf dem Hauptplatz.

Oft entdeckt man auch wunderschöne, versteckte Innenhöfe mit guten Restaurants und verschiedenen Ständen, wo typische Süßigkeiten und Spirituosen, Schmuck oder natürliche Kosmetik verkauft werden.

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Ein Innenhof-Café
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Hier wird ecuadorianische Schokolade verkauft, die als qualitativ beste Schokolade der Welt gilt.

Sonntags gibt es dafür auch einen eigenen Markt, über den ich immer wieder gerne schlendere. Ein weiterer Vorteil der Sonntage in Quito ist, dass die Straßen in der Altstadt für Autos gesperrt sind. Man sieht also nur Fußgänger, Fahrradfahrer, Skater. Das macht richtige Sonntagsstimmung und Lust auf ziellose Spaziergänge durch die netten Gassen, wovon mit Abstand La Ronda die schönste ist.

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La Ronda abends.

Hier liegt auch unser Lieblingshostel, das uns durch seinen Garten im Innenhof und die geschmackvolle Einrichtung überzeugt hat.

Auch gastronomisch hat Quito einiges zu bieten. Man kann entweder nur ganz einfach in einer der Markthallen frisches Obst oder ein Mittagessen für 2$ kaufen, oder ganz fein in einem Gourmet-Restaurant speisen.

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Eine typische Markthalle.

Zum Frühstück setzen wir uns gerne ins Freie in ein Café am Plaza Grande, trinken einen frisch gepressten Saft und beobachten die Menschen in der Morgensonne.

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Unser Frühstücksplatz.

Mittags kann man gut und günstig z.B. bei einem Mexikaner Tacos oder Burritos essen und mein absoluter Favorit ist abends eine Pizzeria mit Retro-Einrichtung. Dort gibt es auch selbst gebrautes Bier, Live-Musik und jeden Samstag gratis Salsa Unterricht.

Ein typisch quiteñisches  Essen ist Kartoffelsuppe mit Popcorn und Avocado.

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Locro de Papa – hier mit Käse und frischem O-Saft in unserem Lieblingshostel.

Wenn man einen schönen Ausblick auf die Stadt zwischen den Bergen der Anden haben will, sollte man auf jeden Fall zum Panecillo (die Engelsstatue auf einem Berg in der Aldstadt) hochspazieren oder mit einem Lift auf den Ruco Pichincha hochfahren, der einen mit fast 5000m Höhe richtig außer Atem bringt. Das Highlight hier oben war für mich ein kleiner Ausritt mit atemberaubender Sicht.

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Blick vom Panecillo aus.
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Reiten auf 4500m Höhe.

Das kulturelle Zentrum Quitos befindet sich im Studentenviertel. Hier gibt es verschiedene Geschichts- und Kunstmuseen mit wechselnden Ausstellungen und Theater.

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Museum für ecuadorianische Geschichte.

Genug geschwärmt – das war ein Einblick in die ecuadorianische Hauptstadt durch meine Augen.

Karneval in Guaranda

Dieses Jahr habe ich Karneval mal ganz anders verbracht. In Bielefeld wird er fast gar nicht gefeiert und insgesamt war ich nie ein großer Fan vom Fasching, aber dies hat sich mit meinem diesjährigen Erlebnis geändert. Wir Freiwilligen vom Welthaus hatten das Glück, dass wir beim Karnevalsumzug der berühmtesten Karnevalsstadt Ecuadors mitlaufen durften. Wir mussten uns dafür unter einem möglichst deutschen Motto, vorher 5 verschiedene Tanzchoreografien ausdenken, eine Figur für unseren Umzugswagen entwerfen und bauen und passende Kostüm ausliehen. Wir entscheiden un für das Motto „Vier Jahreszeiten“, da diese hier in Ecuador etwas fremdes sind und bauten passend dazu einen Baum, der diese repräsentieren sollte. Außerdem liehen wir uns die Trachten aus, die von allen am „deutschesten“, also am ehesten wie Dirndl, aussahen und übten vier Stunden lang Tänze ein.

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Hier werden einige Freundinnen und ich in unseren Trachten mit Schaum bespritzt. Die Taillengürtel wurden uns von den Ecuadorianerinnen so eng wir Korsetts geschnürt, sodass man kaum Platz zum Atmen hatte.

Schon die Vorbereitung hat Spaß gemacht! Besonders für die Freiwillige, die vor Ort lebt, war es aber auch ein enormer Stress.

Am Sonntag des Umzugs sollten wir um 10 Uhr loslegen. Typisch ecuadorianisch begann der Umzug aber erst um 12 Uhr. Die zwei Stunden Wartezeit schlugen wir locker tot, indem wir schon vorher durchgehend tanzten und feierten. Es begleiteten uns zudem Freiwillige anderer Organisationen aus Österreich und Italien und es war nett, diese kennenzulernen.

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Unsere Gruppe von Freiwilligen vor unserer eher amateurhaften Baumfigur….

Nicht anders als in Deutschland wird auch hier beim Karneval viel getrunken, was unter anderem daran liegt, dass einem durchgehend während des Umzugs „Pajaro Azul“, der Nationalschnaps, angeboten wurde. Vielleicht herrschte mitunter aus diesem Grund so eine unglaublich ausgelassene Stimmung: Alle tanzten und sangen mit, die Ecuadorianer an den Seiten bejubelten uns und wollten Selfies mit uns machen, als wären wir Promis, woraufhin wir sie schließlich auf die Tanzfläche zogen und zusammen mit ihnen tanzten, egal ob kleines Mädchen oder alter Opa, alle machten mit und waren gut drauf.

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Hier tanzt eine Mitfreiwillige, Lea,  mit einer Gruppe „Caballeros“ (eine Art ecuadorianische Cowboys)

 

Wir tanzten insgesamt 5 Stunden voll motiviert durch! Abgesehen von uns gab es noch um die 75 weitere Umzugswagen verschiedener Gruppen. Zum Beispiel gab es einen Wagen mit einem riesigen Totenkopf passend zum „Día de los Muertos“ der Mexikaner oder indigene Tanzgruppen. Auch bei den anderen tanzen wir teilweise mit. Es war wirklich eine einmalige Erfahrung!

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Ein Teil des Umzugs: vorne eine Gruppe mit Verkleidungen nach dem Motto Ägypten, links der mexikanischen Wagen und im Hintergrund die Berge von Guaranda.

Wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, waren abends alle total müde und wir fielen schon um 20 Uhr, zufrieden mit unserer Performance, ins Bett. 

Als wir am nächsten Tag wieder zurück nach Mindo kamen, ging der Karneval noch verrückter weiter: Hier findet traditionell eine riesige Schlamm-, Wasser-, und Schaumschlacht statt. Wir wurden direkt nachdem wir aus dem Bus stiegen mit Schaumpistolen bespritzt und später von oben bis unten mit Wassereimern übergossen. Abends wurde eine große Bühne auf der Hauptstraße aufgebaut und es tanzten um die 700 Menschen zusammen unter dem Regen der Schaumkanonen. Rebecca, Sarah und ich lieferten sogar ein kleines Tanzsolo auf der Bühne, woraufhin wir am nächsten Tag auf der Arbeit von einigen Kindern angesprochen wurden… Ein wirklich närrisches Wochenende!

Sonnige Tage an der Küste

Nach unserem gemütlichen Weihnachtsfest in Mindo zog es uns zu einem Strandurlaub an die Küstenorte Puerto López und Mompiche. Rebecca und ich verbrachten sieben abenteuerliche sowie entspannende Tage dort, während Sarah ihrer Mutter Mindo zeigte.

Die Hinfahrt war wie zu erwarten unglaublich lang (14h Busfahrt!), aber ich erleichterte sie mir, indem ich Podcasts und Musik hörte, an meinen Neujahrsvorätzen feilte und las. Als wir endlich in Puerto López ankamen waren wir super erschöpft, freuten uns aber über das nette Hostel mit eigenem Pool und das süße, von einem echten Italiener geführte Restaurant um die Ecke.

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Egal wo man auf der Welt ist:  italienische Pizza mit Rotwein ist immer unschlagbar.

Nach einem für die Küste typischen Frühstück am nächsten Morgen, welches aus Rührei, Weißbrot mit Marmelade und einem frittierten Ball aus Kochbanane bestand, machten wir uns mit einem Mototaxi (oder auch Tuk-Tuk) auf den Weg zum Nationalpark Machalilla. Hier wanderten wir auf einem Weg, welcher atemberaubende Ausblicke und verschiedenste versteckte, besondere Strände bot.

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Unendliche Ausblicke.
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Intensive Farben.
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Einsame Strände.

Wir bekamen gar nicht genug von der ganzen Schönheit, die uns umgab, und waren durchgehend am schwärmen. Die letzte Station der Wanderung, die wir schließlich mit einem starken Sonnenbrand im Nacken erreichten, war der Strand Playa de los Frailes. Hier gab es leider deutlich mehr Menschen als an den bisherigen Stränden, dafür war der Strand aber perfekt zum Schwimmen, da es, anders als an den anderen, keine Seeigel oder Krebse gab. Wir kühlten uns im klaren, türkisen Meer ab, ließen uns von der Sonne trocknen, machten Yoga und lasen. Spät nachmittags kehrten wir nach Puerto López zurück und betrachteten dort mit zwei Salsalehrern, die wir gerade kennengelernt hatten, unter Palmen sitzend, den Sonnenuntergang.

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Für den nächsten Tag buchten wir eine Tour zur Isla de la Plata (Silberinsel), die aufgrund ihrer angeblichen Ähnlichkeit, aber deutlich günstigeren Besichtigungsgebühr, auch Galapagos für Arme gennant wird. In Wirklichkeit war sie mit einer Galapagos-Insel kaum zu vergleichen, aber trotzdem auf jeden Fall einen Ausflug wert. Die Insel darf nur mit einem Guide betreten werden und ist komplett unbewohnt, wodurch ich mich bei der Ankunft nach der einstündigen Bootsfahrt ein bisschen wie Kolumbus oder Charles Darwin gefühlt habe. Sie wurde übrigens von Sir Francis Drake erobert.

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Auf der Bootsfahrt.

Wir mussten 15 Minuten warten bis wir dann mit der Besichtigung starten durften, da sich immer nur eine bestimmte Anzahl an Menschen gleichzeitig auf der Insel befinden darf. In unserer geführten Gruppe lernten wir einige weitere Deutsche, eine Koreanerin und ein paar Ecuadorianer kennen. Insgesamt war es für uns in Puerto López sehr ungewohnt, so viel weniger Spanisch und dafür so viel mehr Deutsch, Englisch und Französisch zu hören, da man in Mindo ohne Spanisch so gut wie gar nicht weiterkommt. Auf dem geführten Spaziergang über die Insel hatten wir die Möglichkeit, seltene Vogelarten, darunter Blaufußtölpl, zu beobachten und der Ausblick auf die Klippen und das Meer war fantastisch.

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Ein Blaufußtölpl.

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Außerdem erklärte uns der Guide viel zur Flora und Fauna auf der Insel. Danach ging es zum Mittagssnack auf das Boot und wir fuhren an eine ruhigere Stelle, wo wir riesige Schildkröten beobachten konnten und eigentlich auch schnorcheln hätten können. Leider sah man aufgrund des vielen Windes wenig; trotzdem war die Abkühlung im unglaublich klaren Wasser angenehm.

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Am letzten Tag besuchten wir morgens den Fischmarkt und dann ein altes Dorf names Aguas Blancas, das bekannt für seine mehrere Tausend Jahre alten Ausgrabungen und seine heilsamen Gewässer ist.

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Trubel auf dem Fischmarkt.

Dort bekamen wir eine Führung, bei der wir die Überreste der Indigenen selbst und die ihrer Häuser, Werkzeuge usw. zu sehen bekamen.

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Im Anschluss badeten wir im Schlammsee und verpassten wir uns Gesichtsmasken.

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Nachmittags gönnten wir uns am Strand von Puerto Lopez noch ein paar Cocktails und lasen.

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Cocktailbars am Strand.

Den zweiten Teil unseres Urlaubs verbrachten wir in Mompiche, dem kleinen, alternativen Fischerdorf am Strand, das wir schon einmal im Oktober besucht hatten und von dem wir schon da so begeistert waren. Die erste Hälfte der Busfahrt ging direkt an der Küste entlang und war deshalb sogar schön, die zweite umso langweiliger.

 

In Mompiche machten wir ebenfalls eine Bootstour zu einer naheliegenden Insel, die uns aufgrund der Partystimmung ein wenig an Mallorca erinnerte.

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Auf der Insel Portete.

Außerdem fuhren wir durch die Mangroven. Das war eine super schöne Erfahrung und wir fühlten uns ein bisschen wie in Thailand.

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Durch die Mangroven.

Außerdem nahmen wir Surf-Unterricht. Unser Hotelbesitzer bot diese an und es machte riesigen Spaß. Das ganze hatte einerseits etwas meditatives, da man auf dem Brett liegend immer eine Weile das Meer beobachten und auf eine gute Welle warten muss. Andererseits ist es aber auch actionreich, wenn man dann wenn die Welle kommt sehr schnell aufstehen und trotzdem das Gleichgewicht halten muss. Natürlich sind wir noch totale Anfänger, aber es war leichter als ich es mir vorgestellt hatte und Rebecca und ich sind ganz enthusiastisch und motiviert, dieses Hobby in kommenden Urlauben weiterzuführen.

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Begeistert nach der ersten Surfstunde.

Ansonsten entspannten wir mit Meerblick in den Hängematten auf der Terrasse des Hostels, aßen in guten Restaurants, lagen am Strand und feierten am 31. natürlich Silvester. Diese Nacht war ein weiteres Highlight. Wir machten uns schick und gingen wir richtig lecker essen.

Dann stießen wir zu anderen Freiwilligen aus Österreich und Deutschland an den Strand, tranken dort Bier und Wein und unterhielten uns gut. Um 12 Uhr sprangen wir alle nackt ins Wasser und beobachteten das Feuerwerk. Dann tanzten wir mit einer Gruppe von Yogis zu unterschiedlichsten Liedern, von Salsa bis 80s Pop. Irgendwann war der ganze Strand voll und man lernte bei der lockeren Atmosphäre viele coole Leute kennen.

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Wir waren richtig traurig, als wir Mompiche verlassen mussten, aber auch glücklich, als wir im grünen Mindo ankamen und Sarah wieder sahen. Es kam uns wie eine halbe Ewigkeit vor, dass wir uns nicht gesehen hatten und wir hatten uns gegenseitig so viel zu erzählen!

Ecuadorianische Weihnachten

Schon lange vor der Weihnachtszeit habe ich mir Gedanken gemacht, wie diese wohl in Ecuador sein wird und dabei ein eher mulmiges Gefühl gehabt. Ohne die Familie, das kalte Wetter und die Traditionen, auf die man sich jedes Jahr seit der Kindheit gefreut hat – da ist Heimweh vorprogrammiert. Zu meiner Überraschung ist dies aber gar nicht eingetroffen. Es war sehr interessant einmal ganz andere, auf eine trotzdem Art schöne Weihnachten zu erleben. Dennoch freue ich mich natürlich darauf, nächstes Jahr wieder ganz traditionell mit der Familie zu feiern.

Begonnen hat die Weihnachtszeit im Projekt mit einem Adventskalender für die Kinder, bei dem jeden Tag drei Kinder ihr Geschenk aus einem mit der jeweiligen Tageszahl beschrifteten roten Stiefel nehmen durften.

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Diese Tradition gibt es eigentlich gar nicht in Ecuador, aber da Salem deutsche Wurzeln hat, wird sie hier praktiziert und die Kinder haben sich umso mehr gefreut. Ich fand es wunderschön zu sehen, wie aufgeregt und wertschätzend sie waren. Dies hat mich auch darauf aufmerksam gemacht, wie die Kinder in Deutschland oft unzufrieden mit ihren Geschenken sind oder sie als selbstverständlich hinnehmen.

In Salem haben wir außerdem ein großes Cafe Navideño veranstaltet. An diesem Tag war jeder eingeladen, sich unser Projekt anzusehen, weihnachtliche Leckereien und Heißgetränke zu genießen sowie beim musikalischen und künstlerischen Programm zuzusehen und teilzunehmen. Es waren schätzungsweise 200 bis 300 Leute da.

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Unter anderem wurden deutsche Weihnachtsplätzchen verkauft, die ich die zwei vorherigen Wochen täglich mit der Unterstützung von etwa vier Kindern gebacken hatte. Dies war eine Herausforderung, da es schwer war, die Kinder davon abzuhalten zu naschen und alles unter Kontrolle zu haben. Auf der anderen Seite war es super schön zu sehen, wie viel Spaß sie dabei hatten und zu merken, wie ich Tag für Tag ein bisschen mehr Übung darin hatte, sodass ich am Ende alles im Griff hatte und dabei gelassen blieb. Insgesamt buken wir ca. 1300 Plätzchen sechs unterschiedlicher Sorten.

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Stolze Plätzchenbäcker.

Meine Aufgabe war es dann beim Weihnachtscafé die Plätzchen und andere weihnachtliche Spezialitäten, wie Hefezöpfe und heiße Schokolade sowie von den Eltern mitgebrachte Empanadas und Desserts zu verkaufen. Ich war den ganzen Nachmittag beschäftigt, aber dank der Hilfe einer der Mütter nicht überfordert. Es machte mir sogar richtig Spaß, da ich so ein bisschen positiven Stress genieße und mit vielen Menschen ins Gespräch kam, so auch mit anderen deutschen Freiwilligen aus Mindo. Diese stellte sich bei unseren darauf folgenden Treffen als sehr sympathisch heraus.                                                                                                                        Das kulturelle Programm bestand aus Auftritten des Kinderchors, der Jugendband, und der Akrobatik- und Tanzgruppe von Salem.

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Musikalisches Programm der Jugendlichen.

Zudem gab es ein offenes Mikrofon, sodass jeder spontan sein Können präsentieren konnte. Rebecca, Sarah und ich sangen sogar mehrstimmig Stille Nacht auf Deutsch.

Auch innerhalb des Mitarbeiterteams feierten Weihnachten: Wir wichtelten über einen Monat, indem jeder seinem amigo secreto (geheimen Freund) theoretisch jeden Tag ein kleines Geschenk oder eine Aufmerksamkeit bereitete. Ich bin kein großer Fan von vielen kleinen Geschenken, die oft keinen richtigen Nutzen haben und schenkte deshalb lieber seltener etwas. Wir beendeten diese Aktion mit einer Weihnachtsfeier im Haus unseres Chefs. Dort trafen wir uns alle an einem Freitagabend und jeder brachte etwas zu essen oder trinken sowie sein abschließendes Wichtelgeschenk mit. Wir Freiwilligen bereiteten Glühwein und Bratäpfel vor, andere brachten weihnachtliche Gerichte aus Ecuador und Venezuela, wie Gemüsereis und in Bananenblätter gehüllte Teigtaschen und köstliche Salate mit. Wir stießen an, aßen und überreichten unsere Geschenke. Danach war noch Zeit für Unterhaltungen und gemeinsames Tanzen. Die Stimmung war richtig gut!

Am Wochenende vor Heiligabend veranstalten wir noch zwei Tage lang weihnachtliche Ferienspiele. Dabei sollte der weihnachtliche Wert des Teilens betont werden, indem die Kinder selbst ihr Weihnachtsessen kochten, die Geschenke der anderen einpackten und alles dekorierten.

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Eifrige Zubereitung des Weihnachtsessens.

Einerseits finde ich diese Idee sehr passend und mir gefällt die Bescheidenheit, die damit verbunden ist, andererseits wird so dem Weihnachtsfest auch ein bisschen die Magie genommen, da es nicht mehr den typischen Überraschungseffekt gibt.  Das typisch ecuadorianische Weihnachtsessen stellte sich als absolut köstlich heraus.

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Das Weihnachtsessen: Salat aus Äpfeln, Mais, Erbsen und Karotten mit Mayonnaise, Kartoffelbrei, Käse, Tomaten-Zwiebel-Koriander-Salat, Bananenchips und Popcorn – eine komische, aber super leckere Kombi.

Am zweiten Tag besuchten wir ein extrem kleines und abgeschiedenes Dorf etwa eine Stunde von Mindo entfernt. Ich war noch nie an einem Ort mit so armen, aber trotzdem zufriedenen Menschen, die ein absolut anderes Leben als ich führen. Die Menschen dort leben in kleinen Hütten und können oft nicht einmal schreiben. Von den Kindern aus Salem werden die Kinder aus Saloya (so heißt das Dorf) häufig ausgeschlossen oder minderwertig behandelt, genau weil sie eben so anders sind. Dies sollte durch die gemeinsamen Aktivitäten, wie sportliche Gruppenspiele, Schokoladenessen und Apfelessen in Pärchen geändert werden.

 

Danach badeten alle zusammen im Fluss und aßen nach einem kleinen Dankbarkeitsgebet an Mutter Erde ihr Mittagessen. Zum Schluss war Bescherung: Jedes Kind erhielt einzeln sein Geschenk und übergab danach dem nächsten das Seine, begleitet von einer Umarmung. Ich fand dieses Ritual wundervoll.

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Rebecca wird ihr Weihnachtsgeschenk mit einer herzlichen Umarmung überreicht.

Die Geschenke waren T-Shirts mit Salem-Aufdruck und besonders die Kinder aus Saloya packten sie mit riesiger Freude aus und zogen ihre Shirts sofort mit Stolz an.

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Die Kinder und wir Mitarbeiter in unseren Salem T-Shirts.

Heiligabend feierten Rebecca, Sarah und ich zusammen mit Sarahs Mutter, die extra dafür nach Ecuador geflogen war, und zwei weiteren Freiwilligen, die uns über die Feiertage besuchten. Morgens machten wir ein gemütliches Frühstück mit Apfel-Zimt-Porridge und unserem improvisierten Adventskranz. Dann wanderten wir zu einem Wasserfall und gingen schwimmen. An Heiligabend bei 25 Grad in einem Wasserfall zu schwimmen war auf jeden Fall ein komisches, witziges und einmaliges Erlebnis. Abends kochten wir gemeinsam ein 3-Gänge-Menü, bestehend aus Flädlesuppe (Pfannkuchensuppe), Falafel mit Kartoffelbrei, Ofengemüse und Guacamole und Paradiescreme.

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Die Bescherung war sehr minimalistisch, aber die Geschenke sehr bedacht und auf die Personen abgestimmt. Hinterher saßen wir noch lange da, tranken Glühwein, naschten Lebkuchen und Plätzchen und unterhielten uns. Zum Schluss wuschen wir ab und tanzten dabei zu lauten Weihnachtshits.

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Es waren wirklich besinnliche Weihnachten ohne großen Stress um Geschenke und mit dem Fokus auf die ursprünglichen weihnachtlichen Werte.

Nur als wir in Quito waren bekamen wir ein bisschen vom Weihnachtsstress mit, als wir in einem der großen Einkaufszentren waren, wo man sich im Gedrängel der Menschenmassen zwischen der sehr kitschigen Weihnachtsdeko wiederfand.

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Auch die Kirchen waren meiner Meinung nach sehr kitschig und geschmacklos dekoriert und mich irritierten die Schneemänner, die sich die Menschen in ihre Gärten stellten, da dies einfach nicht zu den warmen Temperaturen in Mindo passte.

Abgesehen von diesen paar Kleinigkeiten gefielen mir die ecuadorianischen Weihnachten aber unerwartet gut und ich bin froh, mal diese ganz andere Erfahrung gemacht zu haben.

Weltwärts-Tag in Quito

Letzte Woche fand in Quito ein Treffen aller Weltwärts-Freiwilligen in Ecuador statt. Der deutsche Botschafter lud alle rund 115 Freiwilligen zu sich nach Hause ein und wir verbrachten einen gemeinsamen Tag mit verschiedenen Workshops und Vorträgen. Bei seinem Zuhause handelt es sich aber nicht um ein gewöhnliches Haus. Er wohnt etwas außerhalb von Quito in einer riesigen, modernen Villa innerhalb eines Wohngebiets mit lauter anderen nicht weniger imposanten Häusern.

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An der stark bewachten Einfahrt des Wohngebiets angekommen, wurden wir mit einem neuen BMW x5 zu seinem Haus chauffiert. Dies erinnerte mich an Deutschland , da ich hier in Ecuador kaum Autos dieser Art gesehen habe, geschweige denn darin chauffiert wurde. Nachdem wir uns schon mit einigen Freiwilligen anderer Organisationen unterhalten hatten, wurden wir von der Frau des Botschafters begrüßt, da er auf Reisen war. Dann ging es mit einem ecuadorianischen Frühstück (frittierte Kugeln aus Kochbanane und Käse) und im Anschluss mit dem ersten Vortag über die politische Geschichte Ecuadors los. Dieses Thema hörte sich für uns zunächst eher trocken an, aber der Vortrag war extrem anschaulich und witzig gemacht – anders als der nächste, bei dem es um Gefahren und Sicherheit ging. Dieser war überspitzt und für mich in dem Moment sogar ein wenig angsteinflößend, da es unter anderem um gesundheitliche Probleme durch Lebensmittel ging und dieses Thema nach meinen Problemen mit dem Darm ein eher heikles für mich ist. Nun im Nachhinein bin ich aber der Meinung, dass die Warnungen und Ratschläge der Referentin zu streng waren und die Erfahrung hier vielleicht minimal sicherer machen, aber auch massiv einschränken würden, sodass man seine Zeit hier vor lauter Vorsichtsmaßnahmen garnicht richtig genießen kann.

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Beim Politik-Vortrag im Wohnzimmer des Botschafters.

Außerdem gab es einen Salsa-Workshop, bei dem man ein paar Grundschritte des lateinamerikanischen Tanzes lernen konnte, was super viel Spaß gemacht hat. Dann lernten wir noch etwas über die indigene Kultur der Anden und typische Redewendungen und hatten die Möglichkeit, ein typisch ecuadorianisches Gebäck herzustellen.

Was für mich aber neben den ganzen Angeboten das Zentrale war, war es die unterschiedlichen Leute kennenzulernen, die alle ungefähr im gleichen Alter wie ich sind und gerade ungefähr die gleiche Erfahrung wie ich machen. Es war so interessant von den anderen Orten, Projekten und Erlebnissen zu hören und ich habe auch ein paar Menschen kennengelernt, die ich so sympathisch fand, dass ich mir vorstellen kann auch auf längere Zeit mit ihnen befreundet zu sein.

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Einige der Freiwilligen, die ich kennenlernte.

An den anderen Tagen des langen Wochenendes intensivierten wir die Bekanntschaften, indem wir gemeinsam erneut Quito erkundeten: Wir verbrachten die meiste Zeit in der Altstadt – in alten Buchläden, netten Cafés, auf dem idyllischen Hauptplatz, in kleinen Schokoladengeschäften, auf Märkten, bei tollen Aussichtsplätzen und auf der Terrasse unserer Hostels.

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Einer der Schokoladengeschäfte, in denen hochqualitative ecuadorianische Schokolade verkauft wird. Wir haben uns durch alle Sorten durchprobiert.
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Blick über Quito.
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Eine typische Gasse in der Altstadt.

Zudem war zu dieser Zeit das Festival zur Ehrung der Unabhängigkeit Quitos und in vielen Teilen der geschmückten Stadt fanden Umzüge statt.

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Einer der Feiertagsumzüge.

Mein Zuhause – Mindo

Nun ist ein Viertel meiner Zeit hier um und Mindo fühlt sich immer mehr wie ein Zuhause an. Schon von Anfang habe ich mich sehr wohl hier gefühlt, da dieses vom Nebelwald umgebene Tal mit einer riesigen Biodiversität, seinen netten Bewohnern und den vielen süßen Restaurants und Cafés einfach Charme hat.

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Die Hauptstraße.

Mindo ist ein Dorf mit ca. 5000 Einwohnern, wovon die große Mehrheit unter 20 Jahren alt ist. Das Klima ist mit etwa 25 Grad tagsüber und 15 Grad nachts das ganze Jahr über sehr angenehm. Das Jahr ist in nur zwei Jahreszeiten unterteilt, die Trocken- und die Regenzeit. In der Regenzeit regnet es fast jeden Tag für mehrere Stunden in Strömen. Sie ist normalerweise von Dezember bis Mai; wir haben sie also noch vor uns und müssen die Zeit bis dahin so gut wie möglich ausnutzen.

Die meisten Beschäftigungen, die hier angeboten werden sind nämlich Outdoor-Aktivitäten. Die Natur ist für mich mit Abstand das Aufregendste und Schönste an Mindo. Das Dorf wird komplett von unbewohntem, wildem Nebel-, teilweise Primärwald, eingeschlossen. Hier existieren unterschiedlichste tropische Pflanzen und Tiere.

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Mindo von oben.

In unserem Garten wachsen z.B. Ananasse und Bananen, es ist nicht unüblich im Haus eine haarige Spinne von 5-10 cm Durchmesser zu finden und im Wald gibt es sogar Affen, Bären und Pumas. (Man muss allerdings großes Glück haben um diese zu sehen, da sie sehr scheu sind.) Vor allem die Weitläufigkeit und Unberührtheit der Natur hier finde ich schwer beeindruckend. Deshalb gehen wir häufig wandern oder verbringen auf andere Art und Weise Zeit draußen.

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Rebecca und ich genießen den Blick auf die scheinbar endlose Weite des Waldes mit unserem kleinen Mindo in der Mitte.

Es gibt sportliche Angebote, wie Tubing, Ziplining oder Reiten sowie die Möglichkeit von Besichtigungen unterschiedlicher Fincas. Eine Finca ist ein großes Anwesen mitten in der Natur, auf dem dessen Besitzer lebt und üblicherweise Tiere hält und Pflanzen, Früchte und Gemüse anbaut. Mit einem deutschen Bauernhof ist das allerdings nicht zu vergleichen, eher mit dem Garten Eden.

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Auf einer Finca.
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Einer der zahlreichen Wasserfälle.

Diese Besichtigungen können beispielsweise eine Kaffee- oder Schokoladentour sein, bei der man den Prozess des Anbaus und der Herstellung kennenlernen und auch die daraus gewonnen Produkte kosten darf. Wenn man an der großen Vielfalt der Tiere interessiert ist, ist neben einer Wanderung durch den tiefen Dschungel auch die Besichtigung des Mariposario (Schmetterlingshaus) eine Möglichkeit.

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Im Mariposario.

Auch kulinarisch hat Mindo viel zu bieten. Einerseits sind die hier angebauten und hergestellten Lebensmittel von hoher Qualität, andererseits gibt es für die Größe des Dorfes eine beachtliche Anzahl an Restaurants, Cafés und Bars. Hier kann man typisch ecuadorianisches, aber auch internationales Essen zu niedrigen Preisen mit gemütlichem, meist alternativem Ambiente genießen.

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Unsere Stammbar.
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Ein veganes Restaurant mit einem variierenden, köstlichen Menü.

Insgesamt macht das Dorf einen alternativen Eindruck. Es werden hauptsächlich Ökotouristen angezogen und auch viele Bewohner führen einen nachhaltigen Lebensstil mit großem Interesse an Natürlichkeit und Spiritualität. Außerdem gibt es einen relativ großen Anteil US-amerikanischer Auswanderer.

Es leben hier auf der einen Seite Menschen, die riesige Fincas (300 Hektar) besitzen, welche in den 1970er Jahren an die neuen Siedler verteilt wurden und damit vor allem durch Landwirtschaft viel Geld verdienen. Auf der anderen Seite wohnen viele sehr ärmlich in Hütten von ca. 15 Quadratmetern mit Blechdächern. Diese Seite bekommen wir besonders durch den Kontakt zu den Kindern in unserem Projekt zu sehen. Für sie gibt es hier wenig zu tun, da für fast alle Aktivitäten (auch Wandern im Wald) ein Eintritt verlangt wird.

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Die andere Seite von Mindo: strömender Regen und weniger schöne Häuser (wobei es noch um einiges schlimmere gibt)

Trotz dieser weniger idyllischen Seite Mindos verliebe ich mich immer wieder in diesen Ort, der so viel Abenteuer und Schönheit zu bieten hat.